Die Allgäuer Alpen bilden den westlichsten Teil der Bayerischen Alpen und gelten als eines der vielseitigsten Trekkinggebiete im deutschsprachigen Raum. Zwischen sanften Voralpenhügeln rund um Oberstdorf und schroffen, teils messerscharfen Graten in den höheren Lagen liegt eine Bandbreite an Routen, die sowohl für den ersten Kontakt mit dem Hochgebirge als auch für erfahrene Bergwanderer geeignet sind.
Diese Vielfalt macht die Region zu einem idealen Ausgangspunkt, um sich Schritt für Schritt an anspruchsvolleres Gelände heranzutasten. Wer als Einsteiger beginnt, findet hier ebenso passende Wege wie jemand, der bereits Erfahrung mit Graten, Klettersteigen und Hüttentouren mitbringt.
Dieser Artikel stellt Routen für beide Erfahrungsstufen vor und erklärt, worauf es bei der Planung eines Trekkings in den Allgäuer Alpen ankommt.
Zwischen Voralpen und Hochgebirge
Die Allgäuer Alpen zeichnen sich durch einen deutlichen landschaftlichen Übergang aus. Rund um Oberstdorf und Sonthofen dominieren zunächst grüne Almwiesen und sanfte Hügel, bevor das Gelände nach Süden hin zunehmend alpiner wird, mit schroffen Kalkgraten, steilen Rinnen und einigen der anspruchsvollsten Gipfel der nördlichen Kalkalpen.
Diese Staffelung erlaubt es, das eigene Können schrittweise zu erweitern, ohne gleich zu Beginn ins tiefe Hochgebirge vordringen zu müssen. Zahlreiche bewirtschaftete Hütten entlang der Wege erleichtern zudem mehrtägige Unternehmungen, da sie sowohl Verpflegung als auch Übernachtungsmöglichkeiten bieten.
Anreise und Ausgangsorte
Oberstdorf gilt als der zentrale Ausgangspunkt für die meisten Trekkingtouren in den Allgäuer Alpen und ist über die Bahn gut aus Richtung München oder Ulm erreichbar. Von dort verkehren regionale Buslinien in die umliegenden Seitentäler, sodass sich auch entlegenere Startpunkte ohne eigenes Fahrzeug erreichen lassen.
Sonthofen und weitere Orte im südlichen Allgäu bieten sich als alternative Ausgangspunkte an, besonders für Routen in Richtung der österreichischen Grenze. Wer eine mehrtägige Tour entlang des Heilbronner Wegs plant, sollte die Rückreise vom Zielort im Vorfeld organisieren, da einige der höher gelegenen Hüttenzugänge nur eingeschränkt an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind.
Routen für Einsteiger
Almwanderungen rund um Oberstdorf
Wer neu im Trekking ist, findet rund um Oberstdorf ein dichtes Netz an Almwegen, die durch offenes, aber nicht technisch anspruchsvolles Gelände führen. Diese Routen verbinden bewirtschaftete Almen miteinander, sodass sich unterwegs immer wieder Gelegenheiten zur Rast und Einkehr ergeben, ein großer Vorteil für alle, die sich erst an längere Tagesetappen gewöhnen.
Zum Nebelhorn
Das Nebelhorn zählt zu den bekanntesten und zugänglichsten Gipfelzielen der Region. Wer den gesamten Aufstieg zu Fuß bewältigen möchte, sollte eine solide Grundkondition mitbringen, da deutliche Höhenmeter zu überwinden sind. Alternativ lässt sich ein Teil der Strecke mit einer Seilbahn zurücklegen, wodurch sich die Tour deutlich verkürzt und auch für weniger geübte Bergwanderer zugänglich wird. Vom Gipfelbereich aus eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf die umliegenden Gipfelketten der Allgäuer Alpen.
Zum Schrecksee
Der Schrecksee gilt als einer der schönsten Bergseen der Allgäuer Alpen und ist ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge. Der Weg dorthin führt über Almgelände und moderat ansteigende Pfade, die zwar Kondition erfordern, technisch aber unproblematisch sind, was die Tour auch für weniger erfahrene Bergwanderer zugänglich macht.
Das smaragdgrüne Wasser des Sees vor der Kulisse umliegender Gipfel gehört zu den meistfotografierten Motiven der Region, weshalb an schönen Sommertagen mit deutlich mehr Andrang zu rechnen ist als auf weniger bekannten Routen.
Routen für Fortgeschrittene
Wer bereits Erfahrung mit alpinem Gelände gesammelt hat, findet in den höheren Lagen der Allgäuer Alpen einige der anspruchsvollsten Routen der gesamten Region. Hier sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und im Zweifel Klettersteigausrüstung unverzichtbar.
Zum Hochvogel
Der Hochvogel gilt als einer der markantesten und anspruchsvollsten Gipfel der Allgäuer Alpen. Der Weg zum Gipfel führt über ausgesetztes, teils felsiges Gelände und erfordert Trittsicherheit, Schwindelfreiheit sowie Erfahrung im alpinen Gelände. Diese Tour eignet sich ausschließlich für geübte Bergwanderer mit entsprechender Ausrüstung und Kondition.
Über die Höfats
Die Höfats ist für ihren schmalen, exponierten Grat bekannt, der zu den anspruchsvollsten Wegabschnitten der gesamten Region zählt. Auch hier gilt: Nur wer bereits Erfahrung mit vergleichbarem alpinem Gelände gesammelt hat, sollte sich an diese Route wagen, idealerweise in Begleitung ortskundiger oder erfahrener Partner.
Der Heilbronner Weg
Für alpin erfahrene Trekker mit Klettersteigerfahrung bietet der Heilbronner Weg eine der bekanntesten hochalpinen Routen der Allgäuer Alpen. Der Höhenweg verläuft über weite Strecken in exponiertem, teils versichertem Gelände und verbindet mehrere Hütten miteinander, was ihn zu einer mehrtägigen Unternehmung macht, die entsprechende Planung und Erfahrung voraussetzt. Die Aussicht entlang des Grats zählt für viele erfahrene Alpinisten zu den eindrucksvollsten der gesamten Region und entschädigt für die konditionellen und technischen Anforderungen der Route.
Hütten und Übernachtung unterwegs
Ein wesentlicher Vorteil der Allgäuer Alpen für mehrtägiges Trekking ist das dichte Netz an bewirtschafteten Hütten, von denen viele durch alpine Vereine betreut werden. Diese Hütten bieten nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten, sondern häufig auch warme Mahlzeiten und aktuelle Informationen zu den Wegverhältnissen in der jeweiligen Umgebung.
Wer eine mehrtägige Route plant, sollte insbesondere in der Hauptsaison mit einer frühzeitigen Reservierung rechnen, da die beliebtesten Hütten entlang bekannter Routen wie dem Heilbronner Weg schnell ausgebucht sein können. Auch der aktuelle Wetterbericht sollte vor jeder Etappe konsultiert werden, da sich die Bedingungen im Hochgebirge rasch ändern können.
Sicherheit im alpinen Gelände
Wie in den meisten Hochgebirgsregionen gilt auch in den Allgäuer Alpen: Wer früh startet, hat die besseren Karten. An warmen Tagen bilden sich über den Gipfeln häufig erst im Laufe des Nachmittags Quellwolken, aus denen sich rasch Gewitter entwickeln können. Ein zeitiger Aufbruch verschafft daher nicht nur mehr Zeit für die Tour, sondern reduziert auch das Risiko, in exponiertem Gelände von einem Wettersturz überrascht zu werden.
Auf den anspruchsvolleren Routen zu Gipfeln wie dem Hochvogel oder entlang des Heilbronner Wegs ist zudem eine realistische Selbsteinschätzung entscheidend. Wer sich in ausgesetztem Gelände unsicher fühlt, sollte lieber frühzeitig umkehren oder auf eine einfachere Alternative ausweichen, als sich in eine Situation zu manövrieren, aus der ein Rückzug schwieriger wird als der Weiterweg.
Die richtige Ausrüstung fürs Trekking
Die Ausrüstung sollte sich an der gewählten Route orientieren, wobei einige Grundausstattungen für alle Trekkingtouren in den Allgäuer Alpen sinnvoll sind.
- Feste Bergschuhe mit gutem Profil, bei Klettersteigrouten zusätzlich Klettersteigset und Helm
- Wetterfeste, warme Kleidung, auch im Sommer, da sich die Temperaturen in höheren Lagen deutlich vom Tal unterscheiden können
- Ausreichend Wasser und Verpflegung für die Etappen zwischen den Hütten
- Eine aktuelle Wanderkarte oder ein GPS-Gerät für die Orientierung im alpinen Gelände
- Für anspruchsvollere Touren: Erfahrung im alpinen Gelände oder die Begleitung eines geprüften Bergführers
Beste Jahreszeit für die Allgäuer Alpen
Der Sommer gilt als Hauptsaison für Trekkingtouren in den Allgäuer Alpen, da dann die meisten Hütten bewirtschaftet sind und die höheren Routen schneefrei sind. Der Frühsommer kann in höheren Lagen noch Altschneefelder bereithalten, weshalb sich anspruchsvollere Grat- und Gipfeltouren erst im weiteren Saisonverlauf empfehlen.
Der frühe Herbst bringt oft besonders klare Sicht und angenehme Temperaturen für Wanderungen, allerdings verkürzen sich die Tage merklich, und einige Hütten schließen bereits gegen Ende der Saison, was bei der Planung berücksichtigt werden sollte.
Außerhalb der Sommersaison verwandeln sich viele der hier beschriebenen Almwege in beliebte Ziele für Schneeschuhwanderungen, während die anspruchsvolleren Gipfel- und Gratrouten im Winter ausschließlich erfahrenen, entsprechend ausgerüsteten Alpinisten vorbehalten bleiben. Für die meisten Trekkingpläne empfiehlt sich daher klar die Zeit zwischen später Frühjahrsschneeschmelze und beginnendem Herbst, wenn sowohl die Hütten geöffnet als auch die Wege in einem verlässlichen Zustand sind.
Ob erste Almwanderung oder anspruchsvoller Grat: Die Allgäuer Alpen bieten eine Bandbreite an Trekkingmöglichkeiten, die es erlaubt, mit wachsender Erfahrung immer tiefer in dieses eindrucksvolle Gebirge vorzudringen.