Welche Klettersteige im Wetterstein der Oktober noch hergibt

Steile Kalkwände über einem Kar, die obersten Bänder mit einer dünnen Schneeauflage im Gegenlicht

Am ersten Oktoberwochenende standen sechs Leute um kurz nach neun am Ausstieg der Seilbahn, komplett ausgerüstet, und drehten vierzig Minuten später wieder um. Nicht wegen Wetter: Der Himmel war blau. Der Fels lag im Schatten, auf den Bändern lag ein Rest Nassschnee vom Mittwoch, und darunter war das, was man von unten nie sieht.

Die Tour war nicht falsch gewählt, sie war falsch datiert. Dieselbe Runde hätte drei Wochen früher funktioniert, und eine andere Runde hätte an genau diesem Tag funktioniert – nur eben eine mit anderer Ausrichtung und tieferem Einstieg.

Deshalb steht hier keine Liste mit Namen. Ein Steig, der am 5. Oktober trägt, kann am 20. unbegehbar sein, und umgekehrt. Was trägt, sind Kriterien: Exposition, Zustiegshöhe, Infrastruktur und ein Zeitplan, der rückwärts gerechnet ist.

  • Erste Frage: in welche Himmelsrichtung schaut die Wand
  • Zweite Frage: auf welcher Höhe beginnt der versicherte Teil
  • Dritte Frage: steht die Bahn noch, ist die Hütte noch offen
  • Feste Größe: Rückkehrzeit vor dem letzten Licht, nicht nach Gefühl
  • Ausschlusskriterium: Nassschnee oder Vereisung im Steig
  • Notruf: 112 in Deutschland, 140 für die Bergrettung auf der Tiroler Seite

Der Oktober im Wetterstein ist kein verlängerter September

Das Wettersteingebirge liegt auf der Grenze zwischen Oberbayern und Tirol und reicht mit der Zugspitze auf 2962 Meter. Das ist der Punkt, an dem die meisten Planungen kippen: Ein Massiv, das bis fast dreitausend Meter hinaufreicht, hat im Oktober oben Winter und unten Herbst, und zwar am selben Tag.

Der Unterschied zum September steckt weniger in der Temperatur als im Sonnenstand. Wände, die im Hochsommer acht Stunden Sonne bekommen, bekommen Mitte Oktober zwei bis drei. Nordseitige Flanken bekommen gar keine mehr, und was dort einmal nass oder verschneit ist, bleibt es.

Dazu kommt das Licht. Zwischen Anfang September und Ende Oktober verschwinden rund drei Stunden Helligkeit, und in den engen Karen unter der Zugspitze wird es lange vor dem rechnerischen Sonnenuntergang dämmrig. Wer die Sommerkalkulation übernimmt, plant den Abstieg im Dunkeln, ohne es zu merken.

Klettersteige im Wetterstein: Auswahl nach Exposition statt nach Namen

Wer Klettersteige im Wetterstein für den Oktober aussucht, sortiert sie zuerst nach Himmelsrichtung und erst danach nach Schwierigkeit. Ein leichter Steig in der Nordwand ist im Spätherbst eine anspruchsvollere Aufgabe als ein schwererer in der Südflanke, weil die Verhältnisse die Skala überschreiben.

Praktisch heißt das: Süd- und Westseiten trocknen im Oktober noch ab und bekommen am Nachmittag Wärme. Ostseiten haben Sonne am Morgen, wenn der Fels noch kalt ist, und liegen ab Mittag im Schatten. Nordseiten fallen für die meisten Ziele in dieser Jahreszeit aus.

Im Wetterstein lässt sich das am Blassenkamm ablesen. Die Ferrata, die von der Bergstation am Osterfelderkopf zur Alpspitze führt, liegt überwiegend sonnseitig und ist deshalb der Klassiker für Übergangstage. Der Steig durch die Nordwand desselben Berges liegt ab Oktober dauerhaft im Schatten – gleicher Gipfel, völlig anderer Termin.

Was die Exposition im Oktober mit dem Fels macht

Dunkel gefärbter Kalkfels mit Eisfilm auf schmalen Bändern und glänzenden Trittstiften

Wetterstein heißt Kalk, und Kalk verliert bei Nässe mehr Reibung als körniges Urgestein. Dort, wo viele treten, ist er zusätzlich poliert. Ein Wasserfilm auf polierten Tritten ist die rutschigste Kombination, die ein Steig zu bieten hat, und sie sitzt genau an den Stellen, die alle benutzen.

Der zweite Effekt ist der gefährlichere. Nach einer klaren Nacht unter null überzieht gefrierendes Sickerwasser waagerechte Flächen mit einem dünnen, durchsichtigen Film: auf Trittstiften, auf Leitersprossen, auf schmalen Bändern. Von unten ist er praktisch nicht zu sehen, weil er die Farbe des Steins kaum verändert.

Die entscheidende Zahl dafür ist die Nullgradgrenze der vorangegangenen Nacht. Lag sie unter der Höhe des Steigs und gab es davor Niederschlag, muss man mit Vereisung rechnen – unabhängig davon, wie schön der Tag beginnt.

Zustiegshöhe: die Zahl, die über den Tag entscheidet

Die zweite Sortiergröße ist die Höhe, auf der der versicherte Teil beginnt. Ein Steig, dessen Einstieg auf 1800 Metern liegt, verhält sich im Oktober völlig anders als einer, der erst auf 2400 Metern anfängt. Zwischen beiden liegen im Schnitt mehrere Grad und der Unterschied zwischen Regen und Schnee.

Dazu kommt die Zustiegsart. Wer den Einstieg über eine Bahn erreicht, spart Höhenmeter, startet aber erst mit der ersten Fahrt und hat damit eine feste, oft späte Anfangszeit. Wer zu Fuß aufsteigt, ist flexibel, hat aber zwei bis drei Stunden Aufstieg vor dem eigentlichen Steig – bei kurzen Tagen ein erheblicher Posten.

Als Faustzahl für die Planung: Im Steig kommt man bei mittlerer Schwierigkeit und trockenem Fels auf grob 100 bis 150 Höhenmeter pro Stunde, bei kaltem, feuchtem Fels auf 60 bis 100. Wer im Oktober mit der oberen Zahl rechnet, rechnet falsch.

Die drei Höhenzonen im Wettersteinmassiv

Für die Auswahl hilft es, das Massiv in drei Bänder zu zerlegen, weil sich jedes anders verhält.

Unter 1800 Metern liegen die Waldzustiege und die tiefen Talschlüsse. Hier ist der Oktober meist noch reines Herbstwandern, mit nassem Laub als Hauptthema und ohne Schneefrage. Zwischen 1800 und 2300 Metern liegt der Bereich, in dem sich die Verhältnisse innerhalb einer Woche komplett drehen können: Ein Niederschlagstag entscheidet, ob dort Regen ankommt oder eine Auflage liegen bleibt.

Über 2300 Metern, also im Bereich des Zugspitzplatts und der hohen Grate, ist ab Oktober mit winterlichen Verhältnissen als Normalfall zu rechnen. Der Jubiläumsgrat zwischen Alpspitze und Zugspitze gehört ohnehin nicht in die Kategorie Klettersteig, sondern in die alpine Unternehmung – im Spätherbst ist er ein Winterziel für sehr erfahrene Seilschaften.

Wenn die Hütten schließen, ändert sich die Tourenlogik

Die bewirtschafteten Hütten im Massiv – die Höllentalangerhütte im Höllental, die Reintalangerhütte und die Knorrhütte im Reintal, das Münchner Haus oben auf der Zugspitze – stellen im Herbst nacheinander den Betrieb ein. Die genauen Termine legen die Sektionen jedes Jahr neu fest und hängen am Wetter; sie stehen auf den Seiten der jeweiligen Hütte und gehören vor der Anfahrt geprüft.

Für die Planung heißt das dreierlei. Erstens fällt die Möglichkeit weg, eine lange Runde auf zwei Tage zu teilen. Zweitens gibt es unterwegs kein warmes Getränk und keine Notunterkunft im üblichen Sinn. Drittens fehlt die Information vor Ort: Ein Hüttenwirt weiß, wie der Steig gestern ausgesehen hat, und diese Auskunft entfällt.

Viele Hütten haben einen Winterraum, sofern vorhanden meist mit einfacher Ausstattung und Selbstversorgung. Das ist ein Rückfallplan, kein Bestandteil der Tourenplanung. Wer einen Winterraum einkalkuliert, plant bereits mit einer Notlösung – und sollte dann lieber die kürzere Tour wählen.

Bergbahnen: Betriebspausen und was sie für den Abstieg bedeuten

Die Seilbahnen rund um Garmisch-Partenkirchen und auf der Tiroler Seite haben im Spätherbst Revisionszeiten, in denen einzelne Anlagen stillstehen, bevor der Winterbetrieb beginnt. Welche Bahn wann steht, gibt der jeweilige Betreiber bekannt; das ändert sich jährlich und lässt sich nicht aus dem Vorjahr ableiten.

Der praktische Punkt ist nicht die Auffahrt, sondern die letzte Talfahrt. Wer den Abstieg über die Bahn eingeplant hat und die letzte Fahrt verpasst, steht auf zweitausend Metern mit einem Abstieg vor sich, der in der Kalkulation nie vorkam. Zwischen letzter Talfahrt und Einbruch der Dunkelheit liegt im Oktober oft weniger als eine Stunde.

Deshalb gehört die Uhrzeit der letzten Fahrt in dieselbe Zeile wie die Umkehrzeit – und zwar mit einem Puffer von mindestens einer Stunde. Wer diesen Puffer nicht einhalten kann, geht die Tour so, dass sie auch ohne Bahn aufgeht.

Die Kriterienliste vor der Anfahrt

Die Tabelle ersetzt keine Ortskenntnis, sortiert aber die Fragen in der Reihenfolge, in der sie beantwortet werden müssen.

Kriterium trägt im Oktober wird im Oktober kritisch
Exposition Süd, Südwest, West Nord, Nordost, enge Rinnen
Einstiegshöhe unter 2000 Meter über 2300 Meter
Zustieg unter zwei Stunden drei Stunden und mehr
Abstieg sonnseitig, gleiche Flanke Schattenflanke oder Bahnabhängigkeit
Länge im Steig bis rund 500 Höhenmeter lange Durchstiege ohne Ausstieg
Infrastruktur Tour ohne Hütte planbar Plan hängt an Hütte oder letzter Talfahrt

Wer in der rechten Spalte zwei Kreuze hat, hat noch eine Tour. Wer drei hat, sucht sich ein anderes Ziel.

Kondition: was der Zustieg vorher schon kostet

Ein Steig verlangt Armkraft über Stunden und Trittsicherheit auch dann noch, wenn die Beine müde sind. Genau diese Reserve frisst im Oktober der Zustieg: Nasses Laub, feuchte Wurzeln und rutschige Latschen zwingen zu kürzeren Schritten und kosten mehr Kraft als derselbe Weg im Sommer.

Als ehrlicher Maßstab taugt eine Frage: Wie fühlt sich der Aufstieg an, wenn er zwei Drittel geschafft ist? Wer dort schon in den Stöcken hängt, hat im versicherten Teil keine Reserve mehr für eine Stelle, die schwerer ist als erwartet. Das ist ein Abbruchkriterium, und es liegt vor dem Einstieg.

Wer aus dem Mittelgebirge kommt, unterschätzt regelmäßig die Wirkung der Höhe auf das Tempo. Eine Tour wie eine Mehrtagestour in den Allgäuer Alpen ist die bessere Vorbereitung als drei lange Runden im Flachland, weil sie das Gehen mit Gewicht über mehrere Stunden trainiert.

Ausrüstung für zwei Jahreszeiten an einem Tag

Stahlseil, Trittstifte und ein Klettersteigset an einer senkrechten Felsstufe im Schatten

Helm, Klettergurt und ein normgerechtes Klettersteigset mit Bandfalldämpfer sind ganzjährig Pflicht. Aktuelle Sets sind für einen bestimmten Gewichtsbereich samt Ausrüstung zugelassen; die Spanne steht auf dem Set und gehört vor dem Kauf gelesen, besonders bei leichten Personen und Kindern.

Dazu kommt im Oktober alles, was der Sommer nicht braucht: geschlossene Handschuhe plus Reservepaar, eine Isolationsjacke für die Pause am Ausstieg, Mütze, Stirnlampe mit vollem Akku, Rettungsdecke oder Biwaksack und warme Flüssigkeit in der Isolierflasche. Die Schichtenlogik, wie sie das Zwiebelprinzip beschreibt, wird im Steig wichtiger als bei jeder Wanderung, weil man zwischen Anstrengung und Stillstand ständig wechselt.

Was nicht hilft, ist Ausrüstung für Verhältnisse, für die man nicht ausgebildet ist. Grödel im Rucksack machen aus einem vereisten Steig keine machbare Tour. Wenn Vereisung zu erwarten ist, ist der Steig kein Ziel, und kein Gerät ändert das.

Die Umkehrzeit steht vor dem Ziel

Die späteste Startzeit ergibt sich nicht aus der Anfahrt, sondern aus dem Ende: Zeitpunkt der einsetzenden Dunkelheit im Tal, minus eine Stunde Reserve, minus die gesamte kalkulierte Tourenzeit. Was übrig bleibt, ist der Startzeitpunkt, und wenn er vor der ersten Bahn liegt, geht die Tour an diesem Tag nicht.

In den nach Norden geöffneten Tälern des Wettersteins kommt eine Korrektur dazu. Dort ist es rund eine Stunde vor dem rechnerischen Sonnenuntergang bereits so dunkel, dass ein Abstieg über Blockwerk und Wurzeln zäh wird. Diese Stunde gehört in die Rechnung, nicht in den Optimismus.

Die Umkehrzeit selbst wird vorher vereinbart und unterwegs nicht verhandelt. Am Einstieg, mit dem Gipfel vor Augen und zwei Stunden Anfahrt im Rücken, entscheidet jede Gruppe anders als am Küchentisch. Das ist der Grund, warum die Entscheidung an den Küchentisch gehört.

Neuschnee: was danach noch geht

Ein Wintereinbruch im Oktober ist im Wetterstein normal und kein Ausnahmeereignis. Entscheidend ist, was für Schnee gefallen ist und wie viel Zeit seither vergangen ist. Trockener Pulver auf kaltem Fels lässt sich an sonnseitigen Steigen oft schon nach zwei bis drei sonnigen Tagen wieder gehen, weil er verweht und abschmilzt.

Nassschnee ist der schlechtere Fall. Er füllt Bänder und Tritte, bleibt liegen, gefriert nachts durch und produziert genau die Verglasung, die man nicht sieht. Nach einem Nassschneefall braucht ein Steig in Schattenlage nicht Tage, sondern eher eine ganze Schönwetterphase – und die gibt es im Oktober selten am Stück.

Dazu kommt die Frage der Auflast oberhalb des Steigs. Schnee, der über der Route in Rinnen liegt, kommt bei Erwärmung von oben, entweder als Rutsch oder als Steinschlag. Wer einen Steig unter einer verschneiten Flanke plant, plant an der falschen Stelle.

Alternativen, wenn oben nichts mehr geht

Der übliche Fehler nach einer Absage ist, gar nicht zu fahren. Dabei liegt der brauchbare Ersatz meist zwei- bis dreihundert Höhenmeter tiefer. Kurze, tief gelegene und sonnseitige Steige an den Randbergen funktionieren oft noch, wenn im Hauptmassiv nichts mehr geht.

Die zweite Alternative ist der Formatwechsel. Eine lange Bergwanderung im Talschluss, ein Höhenweg unterhalb der Schneegrenze oder eine Runde in den Vorbergen bringt dieselbe Bewegung ohne die Verhältnisfrage. Wer im Herbst grundsätzlich nach Süden ausweicht, findet in den Hohen Tauern und südlich davon längere Zeitfenster als im nördlichen Kalk.

Und die dritte: einen Steig gehen, den man schon kennt. Bei unsicheren Verhältnissen ist Ortskenntnis mehr wert als jede Beschreibung, weil man weiß, wo die schattigen Passagen liegen und wo man aussteigen kann.

Verhältnisse einschätzen, bevor man losfährt

Drei Quellen zusammen ergeben ein brauchbares Bild. Erstens der Bergwetterbericht mit Nullgradgrenze, Neuschneemenge und Windrichtung – nicht die Ortsvorhersage für das Tal. Zweitens die Niederschlagsbilanz der letzten drei bis vier Tage, weil sie erklärt, wie viel Feuchtigkeit im Berg steckt. Drittens Rückmeldungen anderer Begeher, aber nur mit Datum.

Ein Bericht von vergangener Woche beschreibt im Oktober einen anderen Berg als den, der heute dasteht. Alles, was älter als drei oder vier Tage ist, taugt für die Wegführung, nicht für die Verhältnisse. Der Deutsche Alpenverein veröffentlicht dazu Lageberichte und Hinweise, die für den bayerischen Alpenraum brauchbar sind.

Der Rest ist Beobachtung am Einstieg. Wenn die ersten zehn Meter dunkel gefärbt sind, die Trittstifte glänzen und die Handschuhe nach zwei Minuten nass sind, gehört die Entscheidung an diese Stelle und nicht zweihundert Meter weiter oben. Wie man die Verhältnisse überhaupt liest, gehört zu den Grundlagen, die auch Einsteiger am Klettersteig vor der ersten Tour brauchen.

Notruf, Standort und die Sache mit der Grenze

Das Wetterstein ist Grenzgebirge, und das hat für den Notfall eine praktische Folge: Auf der bayerischen Seite gilt 112, auf der Tiroler Seite erreicht man die Bergrettung zusätzlich über 140. Die 112 funktioniert in beiden Ländern und wird weitergeleitet; wer sicher ist, auf welcher Seite er steht, wählt die zuständige Nummer direkt.

Für die Ortsangabe zählt nicht der Name des Steigs, sondern eine Koordinate oder ein eindeutiger Bezugspunkt: Höhe, Talname, Wandseite, Entfernung zum letzten markanten Punkt. Ein aufgeladenes Telefon, ein zweites Gerät in der Gruppe und eine Karte, mit der man die eigene Position benennen kann, ersetzen im Ernstfall eine halbe Stunde Suche. Wie man das ohne Empfang macht, steht in der Übersicht zur Navigation mit Karte, Kompass und GPS.

Ohne Empfang bleibt das alpine Notsignal: sechs Zeichen pro Minute, dann eine Minute Pause, dann von vorn. Die Antwort besteht aus drei Zeichen pro Minute. Eine Stirnlampe taugt dafür genauso wie eine Pfeife, und beides gehört ohnehin in den Rucksack.

Häufige Fragen

Bis wann kann man im Wetterstein Klettersteige gehen?

Ein festes Datum gibt es nicht. Tief gelegene, sonnseitige Steige sind in schneearmen Jahren bis in den November begehbar, hoch gelegene und nordseitige können schon Anfang Oktober zu sein. Entscheidend sind Nullgradgrenze, Niederschlag der Vortage und Exposition, nicht der Kalender.

Reicht es, die Wettervorhersage für Garmisch-Partenkirchen anzuschauen?

Nein. Eine Ortsvorhersage sagt nichts über Nullgradgrenze, Neuschnee und Wind auf 2500 Metern. Für Touren im Massiv braucht es den Bergwetterbericht, und der wird für den Alpenraum getrennt herausgegeben.

Was mache ich, wenn im Steig plötzlich Schnee liegt?

Umkehren, solange die Umkehr eine Entscheidung und keine Notlage ist. Eine Passage mit Schneeauflage lässt sich beim Aufstieg oft noch queren und beim Abstieg nicht mehr. Wer über die schwierige Stelle hinaufsteigt, hat sich den Rückweg genommen.

Sind Steige mit Bahnzustieg im Herbst die sichere Wahl?

Sie sparen Zeit und Höhenmeter, koppeln die Tour aber an einen Fahrplan. Wenn die letzte Talfahrt der einzige geplante Rückweg ist, hat die Tour keinen Puffer. Sinnvoll ist ein Ziel, das auch zu Fuß im Hellen zurück ins Tal führt.

Wie viel Zeitaufschlag ist gegenüber dem Sommer realistisch?

Bei feuchtem Fels und Temperaturen um zehn Grad rund dreißig bis vierzig Prozent auf die Gesamtzeit, im versicherten Teil selbst deutlich mehr. Kalte Finger kosten an jeder Verankerung Sekunden, und bei achtzig Verankerungen wird daraus eine Viertelstunde.

Braucht man im Oktober zwingend eine Stirnlampe?

Ja, und zwar pro Person. Sie ist kein Zubehör für geplante Nachtabstiege, sondern das Teil, das aus einer verzögerten Tour eine unangenehme statt einer gefährlichen macht. Der Akku wird vor der Tour geladen, nicht danach.

Das Massiv verändert sich zwischen August und Oktober nicht. Was sich ändert, sind Sonnenstunden, Nullgradgrenze und die Zahl der offenen Türen. Wer diese drei Größen vor die Auswahl des Ziels setzt, hat im Oktober immer noch eine Tour – nur selten die, die im Sommer auf der Liste stand.